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Aktionskonsens

>> PDF: Leitfaden für Entscheidungsfindung Wien <<

Wien

Dieser Aktionskonsens bildet einen verbindlichen Rahmen für das Verhalten auf der Besetzung der Hochschulen durch Erde Brennt – Uni Besetzen. Er wurde kollektiv erarbeitet und im Konsens beschlossen. Das Ziel des Konsenses ist es, ein für alle Teilnehmenden gut einschätzbares und transparentes Miteinander auf der Besetzung zu ermöglichen, das auf Achtsamkeit und Solidarität beruht. Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich ein, sich an unseren Aktionen zu beteiligen. Wer den Aktionskonsens überschreitet, kann von der Besetzung ausgeschlossen werden.

Wer sind wir? Großteils kommen wir aus einem universitären Umfeld, sind aber in verschiedenen sozialen Bewegungen und politischen Spektren aktiv. Wir freuen uns insbesondere über die Teilnahme am Protest durch Menschen, die nicht studieren – ob protesterfahren oder nicht. Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für das Gelingen des Protestes. Vereinnahmungsversuchen treten wir entschieden entgegen.

Umgang mit Diskriminierung und Awareness. Wir sind uns alltäglicher und struktureller Diskriminierungen untereinander und durch unsere Umwelt bewusst. Daher streben im Rahmen dieser Besetzung einen diskriminierungsfreien Raum an. Wir bemühen uns, denen, die Diskriminierung erfahren, Raum anzubieten und das kollektive Bewusstsein und die Aufmerksamkeit dafür zu stärken. Zudem bieten wir auf der Besetzung Safe Spaces und Ruheräume an. Du kannst dich jederzeit beim Awareness-Desk oder Awareness-Space an das Awareness-Team wenden. Awareness funktioniert nur, wenn alle daran teilhaben. Alle sollen sich grundsätzlich verantwortlich fühlen, füreinander zu sorgen und auf sich selbst Acht zu geben – das ist keine Aufgabe, die nur auf das Awareness-Team ausgelagert werden darf und kann. Bitte mach dich dafür mit dem Awareness-Leitfaden vertraut. Unsere Awareness-Arbeit in Konfliktsituationen orientiert sich an konstruktiven Lösungen und der Deutungshoheit der betroffenen Person. Das bedeutet, dass wir bei der Lösung von Konflikten betroffenen Personen glauben und sie in ihren Bedürfnissen unterstützen. Wir wollen keine Person stigmatisieren und auszugrenzen, die einsieht, verletzend gehandelt zu haben, und Verantwortung dafür übernehmen möchte. Stattdessen bestärken wir sie darin, ihr Verhalten zu reflektieren und dieses zu ändern. Auf Wunsch der betroffenen Person können gewaltausübende oder -verursachende Personen von der Besetzung ausgeschlossen werden.

Covid-19 Konzept. Viele Menschen sind von der Covid-19 Pandemie auf existenzielle Art betroffen. Daher haben wir uns für die folgenden Maßnahmen entschieden, die eigenständig einzuhalten sind:

1. Wir wünschen uns, dass du vor und in jeder Woche der Besetzung einen PCR-Test machst. Dies gilt insbesondere für die Menschen, die bei der Besetzung übernachten werden. Solltest du bloß für kurze Zeiträume anwesend sein, empfehlen wir dir, einen Antigen-Schnelltest zu machen und / oder deine Maske zu tragen.

2. Solltest du oder eine Person, mit der du in Kontakt warst, Symptome haben, bitten wir dich, umgehend eine Maske zu tragen und einen Antigen-Schnelltest zu machen. Solltest du keinen zur Verfügung haben, kannst du diesen kostenfrei beim Awareness-Team bekommen. Solange du Symptome hast, solltest du deine Maske anbehalten und weitere Tests machen, auch wenn diese erst einmal negativ sind.

3. Auf der Besetzung wird es eine PCR-Sammelstation geben, sodass du vor Ort bequem Tests machen kannst.

4. Sollte es dazu kommen, dass eine Person positiv auf Covid-19 getestet wird, bitten wir diese Person, die Aktion zu verlassen und erst dann wiederzukommen, wenn sie garantieren kann, dass sie nicht mehr ansteckend ist. Da das Contact-Tracing durch die von vielen gewünschte Anonymität bei einer Besetzung erschwert ist, wird es eine E-Mail Adresse geben, an die du schreiben kannst, wo, wann und wie lange du warst. Diese Informationen werden anonymisiert am schwarzen Brett bereitgestellt.

5. Bei einer hohen Zahl an Infektionen verschärfen wir die Corona-Maßnahmen.

Umgang mit Rauschmittelkonsum. Der Konsum von Rauschmitteln, auch alkoholischen Getränken, ist auf der Besetzung nicht erwünscht. Begründet wird dies mit der fehlenden Berechenbarkeit in Rauschzuständen und der Priorisierung von Sicherheit innerhalb der Aktion. Außerdem wollen wir Personen, die sensibel auf Rauschmittel (-konsum) reagieren – aufgrund eines Entzuges, Traumata oder sonstigen Gründen –, einen Raum bieten, in welchem sie nicht getriggert werden. Wer sichtbar unter Drogeneinfluss steht, wird von der Besetzung ausgeschlossen. Als Erde Brennt ist es uns trotzdem wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir klar für eine Entstigmatisierung und Entkriminalisierung von Rauschmitteln sowie Suchterkrankungen stehen.

Innsbruck

Dieser Aktionskonsens bildet einen verbindlichen Rahmen für das Verhalten auf der Besetzung der Universität durch Erde Brennt Innsbruck.

Er wurde im Kollektiv erarbeitet und im Konsens beschlossen. Das Ziel des Konsenses ist es, ein für alle Teilnehmenden gut einschätzbares und transparent gemachtes Miteinander in der Besetzung zu ermöglichen, welches auf Achtsamkeit und Solidarität und einem gemeinschaftlichen Widerstand beruht. Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich ein, sich an unseren Aktionen zu beteiligen. Wer den Aktionskonsens überschreitet, kann von der Besetzung ausgeschlossen werden. Besonders in Fällen, die unserem Awareness-Konzept widersprechen und sich diskriminierend beziehungsweise übergriffig gestalten. Die Entscheidungsmacht liegt hierbei bei den betroffenen Personen.

Unsere Kämpfe sind feministisch, antifaschistisch, antirassistisch, antiableistisch, antikapitalistisch, queer, gegen Antisemitismus und jede andere Form von Unterdrückung.

Da bisher gehorsamer Protest nicht den notwendigen systemischen Wandel in Lehre, Klima- und Sozialpolitik erbracht hat, gehen wir zum zivilen Ungehorsam über. Wir wollen uns als Studierende in unserer teils privilegierten Positionierung mit unserem passiven Widerstand an andere gesellschaftliche Kämpfe anschließen. Wir fühlen uns dazu gedrängt, einerseits unsere akademische Ausbildung, die auf einem fremd- und selbstzerstörerischen System beruht, zu pausieren und uns andererseits durch die Besetzung unserer Wirkungsräume eigenständig zu bilden.

Indem wir Räume der Universität besetzen, möchten wir zeigen, dass eine andere auf solidarischen Beziehungsweisen basierende Welt möglich ist. Wir möchten im Kollektiv einen universitären Raum gestalten, in dem Bedürfnisse über Profite gestellt werden. Wir möchten zu den genannten Themen in den Austausch kommen, uns gemeinsam dazu bilden und für bestehende soziale und ökologische Ungerechtigkeiten und Krisen sensibilisieren. Wir wollen gemeinsam die Welt neu denken und ebenso wie bestehende und frühere Bewegungen Wandel anstoßen und weitertragen. Dafür stehen wir mit Bestimmtheit ein.

Innerhalb der Besetzung hat die Sicherheit der teilnehmenden Aktivist*innen und aller Beteiligten für uns oberste Priorität. Das bedeutet, dass bei möglichen Angriffen unserer Besetzung keine verbale und physische Eskalation von unserer Seite ausgeht. In besonderen Fällen leisten wir passiven Widerstand, wobei zu Beginn einer solchen Aktion deutlich darauf hingewiesen wird. Wer daran teilnehmen möchte, wird aus Sicherheitsgründen über das Vorgehen und die möglichen Konsequenzen informiert. Zusätzlich solidarisieren wir uns mit Menschen, die stärker von Repression betroffen und dies in ihren Handlungen berücksichtigen müssen

Covid-19 nehmen wir erst und setzen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie um. Die Besetzung richtet sich nicht gegen das Unipersonal oder gegen Studierende, sondern soll auf systemische Krisen und deren Zusammenhänge aufmerksam machen. Sie richtet sich somit gegen das System, aus welchem diese Krisen resultieren. Wir sprechen uns gegen Sachbeschädigungen am Eigentum der Universität bzw. Universitätsgebäuden aus und werden uns Personen oder Gruppen distanzieren, die dies verursachen. Darüber hinaus wollen wir Studierenden die Fortführung ihres Studiums ohne Zeitverzögerungen oder Verlust von ECTS ermöglichen.

Wir erkennen an, dass unsere Aktion für Studierende sowie für das Lehr- und Unipersonal möglicherweise zu Störungen führen kann. Daher möchten wir zum Ausdruck bringen, dass dies passiert, weil wir im Angesicht multipler Krisen eine Störung des Status quo verursachen müssen. Wir laden alle Mitglieder der Bildungsgemeinschaft herzlich dazu ein, sich der Besetzung anzuschließen. Außerdem begrüßen wir weitere selbstorganisierte Kleingruppen-Aktionen.

Großteils kommen wir aus einem universitären Umfeld, sind aber in verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen aktiv. Wir freuen uns insbesondere über die Teilnahme am Protest durch Menschen, die nicht studieren – ob aktionserfahren oder nicht. Unsere Aktion bietet vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten, sodass alle teilnehmen können. Wir gefährden keine Menschen, verhalten uns ruhig und achten aufeinander. Keine Person wird allein gelassen. Zusammen wollen wir Verantwortung für das Gelingen der Aktion übernehmen. Im Vorhinein bereiten wir uns mit einer gezielten Aktionsplanung darauf vor.

Wann die Besetzung aufgelöst wird, besprechen wir im Plenum, wobei auf die Bedürfnisse aller geachtet wird Der Entscheidungsprozess soll kollektiv, transparent und konsensorientiert ablaufen.

Vereinnahmungsversuchen stellen wir uns entgegen.

Salzburg

Dieser Aktionskonsens bildet einen verbindlichen Rahmen für das Verhalten auf der Besetzung der Universität von Erde Brennt! Salzburg. Er wurde im Konsens beschlossen. Das Ziel des Aktionskonsenses ist es, ein transparentes Miteinander auf der Besetzung zu ermöglichen, das auf Achtsamkeit und Solidarität beruht. Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich ein, sich an unseren Aktionen zu beteiligen. Wer den Aktionskonsens überschreitet, kann von der Besetzung ausgeschlossen werden.

  • Die Sicherheit aller Beteiligten hat oberste Priorität.
  • Wir beschädigen kein Eigentum der Universität.
  • Wir verhalten uns besonnen und von uns geht keine Eskalation aus
  • Unser Protest richtet sich nicht gegen Angestellte und Studierende der Universität oder andere Einzelpersonen. Wir wollen Studierende, die auf ihren Studienfortschritt angewiesen sind, nicht am Studieren hindern.
  • Wir sind eine unabhängige Gruppe. Vereinnahmungen durch andere Gruppierungen, Organisationen oder Parteien treten wir entgegen
  • Wir sind basisdemokratisch. Entscheidungen werden idealerweise im Konsens getroffen, alternativ mit Mehrheitsentscheiden. Über den Verlauf der Aktion wird in Plena entschieden.
  • Wir achten auf uns und die anderen Teilnehmenden. Die Aktion darf nicht auf Kosten des Wohlergehens Einzelner gehen. Es gibt ein Awareness-Team, das während der Aktion erkennbar und ansprechbar ist und auf Probleme achtet. Wir machen ungefragt keine Bilder oder Videos, auf denen Gesichter zu erkennen sind.
  • Wir erklären uns dazu bereit, zum Erreichen unserer Ziele auch außerhalb des rechtlichen Rahmens zu agieren. Die Teilnehmenden haben im Vorfeld die Möglichkeit, sich über die rechtliche Lage zu informieren